Mein Leben hat sich verändert, als ich mich entschied, im Hier und Jetzt zu leben.

Schon als Kind bin ich mit meiner Familie sehr oft umgezogen. Spätestens alle vier Jahre sind wir an einen anderen Ort gezogen. Die Tätigkeiten meiner Eltern waren eben mit viel Wechsel verbunden, daher war dies für mich ganz normal.

Ich würde nicht sagen, dass das Leben im Umzugskarton mir wirklich geschadet hat, es war einfach anders als bei den meisten anderen Menschen. Das störte mich aber nicht besonders. Bis ich ins Teenager-Alter kam. Da hatte ich bereits die besondere Angewohnheit, alle paar Monate mein Zimmer umzustellen, da ich es ohne sichtbare Veränderung nicht lange aushalten konnte.

Als ich dann 15 Jahre alt war, sagte mir mein Vater, dass wir wieder nach Deutschland umziehen würden. Wir wohnten zu der Zeit in Norwegen und alle meine Freunde waren dort. Das wurde mir zu viel. In Deutschland angekommen wollte ich nur noch nach Hause. Nach einem halben Jahr machte ich das auch wahr und zog alleine nach Norwegen zurück, um bei einer befreundeten Familie unterzukommen und in deren Büro zu arbeiten.

Im Alter von 16 Jahren war ich schon 8 Mal umgezogen. Dann kam allerdings eine große Veränderung in mein Leben: Meine Arbeitszeit in Norwegen war zu Ende gegangen und ich zog für eine kurze Zeit wieder nach Deutschland zu meinen Eltern in den Schwarzwald. Während dieser Zeit lernte ich einen jungen Mann kennen, mit dem ich jetzt mittlerweile seit fast 26 Jahren glücklich verheiratet bin.

Um eine lange Geschichte kurz zu machen – zwei Jahre später heirateten wir und ich zog zu ihm ins schöne Allgäu. Die Landschaft war traumhaft, wir hatten einander, sind dann nach einem Jahr für ein Jahr zur Bibelschule gegangen – und das Leben ging so seinen Lauf. Nochmal 3 Jahre gingen ins Land. Mittlerweile hatten wir schon 2 Kinder.

Doch bald wurde ich wieder mit meiner Prägung konfrontiert. Ich muss dazu sagen, dass mein lieber Mann ein ganz stetiger Typ ist. Er LIEBT Ordnung! Das Problem war jedoch, dass unser Leben so aussah: spätestens alle 3 Monate würde ich, während er bei der Arbeit war, die Wohnung komplett umstellen, weil ich wieder mal Veränderung brauchte. Er kam heim und fand wieder mal alles an einem anderen Ort als am vorigen Tag. Das fiel ihm richtig schwer, und er sagte mir, dass sich irgendwas ändern müsse, denn so ginge es nicht weiter. Er kam zuhause so nicht zur Ruhe.

In so einer Situation muss man sich entscheiden: Rechtfertigt man sein eigenes Verhalten und seine Defizite durch Umstände und Prägung, oder fängt man an, den anderen verstehen zu wollen und ist somit auch bereit, etwas an sich selbst zu ändern? Ich muss leider sagen, dass meine erste Reaktion eher die Rechtfertigung meines Verhaltens war. Das hat die Situation nicht wirklich positiv beeinflusst. Doch ich war fest davon überzeugt, dass ich im Recht war.

Eines Tages brachte ich meinen Ärger zu Gott und sagte ihm, wie unfair alles war. Zum Glück fing Er an, zu meinem Herzen zu reden und zeigte mir, dass das Problem in dem Fall gar nicht mein Mann war – sondern meine eigene Unwilligkeit, Wurzeln zu schlagen. Ich hatte ein ungesundes Muster von Rastlosigkeit in meinem Leben kultiviert. Seit meiner Teenager-Zeit hatte ich ein Verhalten entwickelt, das es mir unmöglich machte, wirklich zur Ruhe zu kommen. Diese Unruhe verbreitete ich in der ganzen Familie.

 

Warum erzähle ich das? Ich glaube von ganzem Herzen, dass wir immer eine Wahl haben. Ja, es stimmt, Prägungen können sehr stark sein. Kultur kann dein Verhalten sehr beeinflussen. Doch wenn du Wahrheit über dich selber und dein Verhalten erkennst, hast du die Wahl, den Weg der Veränderung (und damit auch der Freiheit) einzuschlagen – oder eben nicht.

Manchmal denken wir, dass wir Opfer unserer Umstände oder unserer Vergangenheit sind. Doch Jesus sagt in seinem Wort, dass wenn wir die Wahrheit erkennen, diese Wahrheit die Kraft hat, uns wirklich frei zu machen (Joh 8:32). Manchmal ist die Wahrheit, die am meisten befreit, die Wahrheit über uns selbst.

Gott ist so gut! Er kennt uns ganz genau, sogar die tiefsten Gedanken unseres Herzens. Er kannte mein Heimweh nach Norwegen, meine Rastlosigkeit und woher sie kam. Doch er hat auch gewusst, was mich frei machen würde.

Eines Tages als ich betete, empfand ich, dass er ganz ruhig zu mir sagte: „Kristin, du bist eine Missionarin.“ Das war’s. Mehr habe ich nicht gebraucht. Ab dem Zeitpunkt war ich frei, Wurzeln zu schlagen. Denn ich wusste: Jesus hat mich erwählt, er hat mich gesandt, ich bin am richtigen Ort, zur richtigen Zeit.

Seitdem sind wir auch 2 Mal umgezogen, aber immer erst dann, wenn wir beide sicher waren, dass es mitten im Plan Gottes war. Und weißt du was? Wenn du mitten im Plan A für dein Leben lebst, kannst du beruhigt im Hier und Jetzt leben.

Kristin

2 Kommentare
  1. Kirsten Amb
    Kirsten Amb sagte:

    Very interesting (and illuminating) testimony also for me as Kristin’s mom. And I couldn’t agree more! Love you Kristin<3

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  2. Heike Flaig
    Heike Flaig sagte:

    Danke Kristin ! Ja, ich kenne das auch. Ganz so oft sind wir nicht umgezogen, aber immer weit weg ins Ausland . Ich habe es geliebt auf neue Abendteuer zu gehen , und ziemlich schnell lieb gewordenes und gute Freundschaften hinter mich gelassen. Das war eine Art selbst Schutz …habe dies aber erst viel später erkannt und leider dadurch auch kostbare Menschen verletzt. Als ich nach Deutschland kam , durch die Heirat , habe ich mit Gott ausgemacht: „Ich weiss das Hier jetzt mein Platz ist, aber ich will nicht wissen für wie lang! „….mittlerweile sind es 26 Jahre !!! Im Hier und im Jetzt , dort wo ER mich haben will . „Thats Simply the best Place for me.“ :-))

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