Mut – ein Wort, das unterschiedliche Assoziationen in uns auslöst, oder? Für manche bedeutet dieses Wort, Klippen hochzuklettern und große Abenteuer zu erleben, bei denen der Adrenalinspiegel steigt. Für andere bedeutet es, in der S-Bahn ein Gespräch mit dem Sitznachbarn anzufangen.

Ein Ausdruck von Mut beschäftigt mich gerade besonders. Wir leben in einer Gesellschaft, die behauptet, sehr tolerant zu sein. Und doch besteht sie sehr stark aus Kategorien und Schubladen. Selbst die Schublade „Intolerant“ geht ziemlich oft auf und zu.

Warum kategorisieren wir Menschen so stark? Es geschieht oft sehr unbewusst und doch passiert es jeden Tag in unseren Gedanken. Keiner von uns möchte rassistisch sein oder Menschen ausgrenzen, aber trotzdem tun wir es immer wieder. Zumindest in Gedanken. Denn wir beurteilen Menschen oft pauschal, ohne sie zu kennen.

Wie kommt das zustande? Ich hatte mal ein Erlebnis, das sehr einprägsam war. Es war, als ich ca. 18 Jahre alt war. Du musst wissen, zu der Zeit war ich keine sehr selbstsichere Person, sondern voll von Minderwertigkeit und Selbstzweifel. Ich war bei einer jungen Familie zum ersten Mal zu Besuch. Als ich ankam, schnappte die kleine Tochter wohl meine Unsicherheit auf und war mir gegenüber total scheu. Ihre Mama bemerkte das und meinte: „Also die Kleine ist sehr sensibel. Sie spürt sofort, wem sie vertrauen kann und wem nicht.“

So, da stand ich nun mit dieser Aussage, die für mich ja nur eines bedeuten konnte: Ich war nicht vertrauenswürdig. In meinem Kopf und auch in meinem Herzen fing eine wilde Suche an, warum ich nicht vertrauenswürdig sei. Irgendwas musste dieses sensible Kind ja gesehen haben, das ich scheinbar versteckte? Am Ende hatte ich nur noch mehr Selbstzweifel.

Was war passiert? Durch die Worte, die vermutlich nicht einmal sehr durchdacht waren, war ich in einer Schublade gelandet. Es hat für mich lange gedauert, aus dieser Grube rauszuklettern und zu verstehen, dass diese unüberlegte Aussage nicht der Realität entsprach. Ich war zwar nicht sicher, aber vertrauenswürdig war ich.

Oft kategorisieren wir Menschen, ohne dass es eine bewusst negative Handlung ist. Ich verstehe schon, dass es Menschen gibt, für die wir fast automatisch Sympathie oder auch Empathie empfinden. Manche Menschen haben uns wehgetan und es gibt eine konkrete Handlung, die erfordert, dass wir von ihnen Abstand nehmen. Darum geht es hier nicht.

Wenn du aber in deinem Denken entdeckst, dass du Menschen, ohne sie zu kennen, in Kategorien und Schubladen steckst, will ich dich dazu ermutigen, diese Gedanken zu unterbrechen und dich dagegen zu entscheiden.

Jesus teilt uns nicht in Kategorien ein. Sein Geschenk der Gnade ist für jeden Menschen zugänglich gemacht. Da spielen Herkunft, Status, Geschlecht, Hautfarbe, Ausbildung und Qualifikation überhaupt keine Rolle. In Apostelgeschichte 10,34-35 sagt der Apostel Petrus, dass er erkannt hat, dass Gott nicht bestimmte Menschen anderen vorzieht. Er nimmt alle an, die zu ihm kommen und bereit sind, ihr Leben unter seine Leiterschaft zu stellen.

Es ist eine große Herausforderung, Menschen nicht in Kategorien und Schubladen zu stecken. Du und ich, wir sind alle daran schuldig geworden. Aber ich möchte uns gemeinsam ermutigen, den MUT zu haben, nicht zu kategorisieren, sondern Menschen kennenzulernen. Ihre Geschichte zu hören. Ihre Herausforderungen zu hören und zu helfen, wo wir können. In deiner Schule, an der Uni, im Geschäft oder in deinem Freundeskreis: habe den Mut, hinzuschauen und ein Licht zu sein…

Wenn wir diesen Mut haben, bringen wir eine neue Reformation in unsere Gesellschaft!

Kristin Reinhardt

 

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