Unsere Herzen sehnen sich nach Ruhe, aber wir geben das nur ungern zu. Denn erschöpft zu sein oder das Bedürfnis nach Ruhe zu haben, wird sehr oft als Schwachheit wahrgenommen, umso mehr bei Führungspositionen. Ich höre manchmal Aussagen wie: „Ich habe mir am Wochenende ein bisschen Ruhe gegönnt“ oder „Du hast dir ein bisschen Ruhe verdient“. Als ob man sich Ruhe erarbeiten müsste, um es sich gönnen oder verdienen zu können. Man bekommt fast ein schlechtes Gewissen, wenn man „nichts Produktives“ tut oder wenn man für ein Moment „nichts leistet“ oder sogar, wenn man es gewagt hat, zu Hause zu bleiben, wenn draußen die Sonne scheint. Wir geraten heutzutage zu oft an Aktivismus – verständlicherweise bedingt auch durch die Schnelligkeit unserer Welt – und verlieren dabei den Fokus. Wir verpassen, was wirklich wichtig ist und verlernen dabei die Fähigkeit, still zu sein. Eine Minute Pause – und schon strömen tausende Gedanken und To-Dos durch unseren Kopf.

Wir füllen unser Leben mit so vielen Dingen und Aktivitäten, die es sehr leicht machen, die Sachen, die wirklich zählen, zu verpassen und die Stimme Gottes zu ignorieren. Wir sind beschäftigt, getrieben und leben in einer lauten und unruhigen Welt. Wir glauben, dass wir rund um die Uhr für alle außer Gott erreichbar sein müssen, und denken noch dazu, dass wir ein großer Segen für die Menschen um uns herum sind. Aber was geben wir ihnen, wenn wir leer sind?

In den ersten Wochen der Quarantäne, als alles sich bereits verlangsamte und meine laute Welt immer leiser wurde, spürte ich in mir eine Leere, die ich noch nie in meinem Leben gespürt habe. Die Wochen vergingen und meine Ausreden liefen mir aus. Ich begann mit der Stille zu kämpfen. Warum? Weil ich mit der echten Realität konfrontiert wurde und zugeben musste, dass ich ständig beschäftigt war, aber keine Vision hatte. Ich hatte lange Zeit wie eine Maschine funktioniert, weil es für mich einfach zu schmerzhaft war, zu erkennen, dass ich aufgehört hatte zu träumen, und dass meine Realität weit entfernt war von der, die ich mir erhofft hatte. Kann es sein, dass wir auch Ruhe vermeiden, um uns nicht mit uns selbst zu beschäftigen? Es ist nicht einfach zuzugeben, dass man nicht mehr träumt oder dass man Träume aufgegeben hat, weil man sich in das ständig Beschäftigtsein verlaufen und den Fokus verloren hat.

Workaholic zu sein, ist heutzutage sogar ein Trend. Und das nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im christlichen Umfeld. Aber wenn ich meine Bibel lese, lerne ich einen Gott kennen, der am siebten Tag ruhte, als er die Erde erschuf (1. Mose 2,2,) und einen Jesus, der sich Zeiten der Ruhe mit seinem Vater nahm (Markus 1,35). Und wir haben auch diesen freien Zugang zu Gottes Gegenwart durch Jesus. Wir sind berufen, in Gemeinschaft mit Gott zu sein, er gibt uns das Privileg, täglich mit ihm zu interagieren, er möchte uns zuhören, uns den Weg zeigen, uns neue Träume geben und uns helfen, diese zu verwirklichen. Wenn wir mutig genug sind und unseren Stolz und unsere Selbstgenügsamkeit zur Seite zu legen und Ruhe suchen, wird Gott unser Detour nehmen und daraus eine Zeit der Übereinstimmung mit seiner Vision machen. Du fängst an, nicht nur Ziele zu erreichen, und auch dein Handeln bekommt eine Ewigkeitsperspektive, denn du bist dabei, seine Vision statt deine eigene zu verwirklichen.

Still zu sein und uns Momente der Ruhe zu nehmen, hilft uns, unsere Prioritäten richtig zu setzen, das Dringende zu verschieben und das wirklich Wichtige zu erledigen. Still zu sein hilft uns, zu erkennen, wie es uns wirklich geht und schafft Raum für Heilung. Du gibst, was du kannst, und er multipliziert, was du gibst. Du agierst nicht mehr getrieben, sondern strategisch. Du hörst auf, wie eine Maschine zu funktionieren und fängst an, wieder zu leben. Deine Zeiten der Ruhe werden zu multiplikativem Segen für deinen Einflussbereich. Deshalb möchte ich dich heute ermutigen, dir bewusst Zeiten der Ruhe zu suchen. Lasst uns still sein und erkennen, dass er Gott ist (Psalm 46,10). Atme tief durch, denn du leitest nicht allein. Du hast den Herrscher aller Herrscher als deinen persönlichen Berater und mit seiner Vision kommt auch die Strategie.

Sich Zeiten der Ruhe zu nehmen, ist kein Zeichen von Schwachheit, sondern ein Zeichen von Weisheit. Denn die Welt braucht die Auswirkung deiner Gemeinschaft mit Gott.

Ana Laura Serrano

Ana Laura Serrano hat den M.A. in Unternehmenskommunikation und Digitales Marketing. Sie arbeitet als Creative Director im Gospel Forum und hat mehrjährige Erfahrung in der PR & Marketing Beratung.  Ihr Herz schlägt dafür, die Schönheit und Liebe Gottes zu offenbaren, um seine Gerechtigkeit auf dieser Welt freizusetzen. Sie liebt tiefe Gespräche, spontanes Lachen und sagt selten nein zu einer Tasse Kaffee.

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