Kurz vor unserem Sommerurlaub – in einer richtig turbulenten und vollgepackten Woche – hat mein Handy beschlossen, nicht mehr angeschaltet werden zu wollen. Aus für mich heiterem Himmel. Es gibt da schon einen Grund, sagte der Herr im Handyladen. Wer die Meldungen nicht beachtet, dass der Speicher voll ist und Platz schafft, riskiert den Shutdown des Geräts.  Ich hatte es unendlich viele Male ignoriert, habe noch ein Video und noch ein paar Fotos drauf gepackt. Bis eben nichts mehr ging. Das Handy konnte wiederhergestellt werden, allerdings auf die für mich sehr schmerzhafte Tour. Alle Daten gelöscht. Das Handy funktionierte wieder einwandfrei. Ohne ein einziges Foto drauf. Dafür mit viel Platz für neue…

Funktionieren wir Menschen nicht genauso? Wir werden träge und müde, wenn wir in unserem Leben keinen Platz für Neues lassen. Wir MÜSSEN entdecken, lernen oder in irgendeiner Form gestalten. Wir sind nicht dazu bestimmt, von Erinnerungen zu zehren und nur zu funktionieren. „Siehe, ich wirke Neues.“ sagt Gott in Jesaja 43, 19 zu seinem Volk. Und einen Vers vorher fordert er es auf, nicht mehr auf das Vergangene zu achten. Es ist die Voraussetzung dafür, dass Gott Neues durch uns schaffen kann; indem wir dem Vergangenen nicht die größere Aufmerksamkeit schenken als dem, was Er genau JETZT in unseren Leben tun möchte.

Ich habe nicht an all die neuen Daten gedacht, die auf meinem Handy Platz brauchen. Ich habe ständig nur die alten verwaltet. Ich habe nicht dafür gesorgt, dass neue Erinnerungen darauf gespeichert werden können. Es waren ja auch überhaupt keine unnötigen oder schlechten Dinge, die ich da verloren habe. Im Gegenteil. Auch die Stelle in Jesaja 43 spricht nicht von schlimmen Erfahrungen, auf die das Volk nicht mehr achten soll. Es ist vielmehr der mit vielen Wundern verbundene Auszug aus Ägypten gemeint (vgl. Jeremia 16, 14). Es ist also nicht nur der unnötige Ballast, der Innovation verhindert. Definitiv kosten uns Groll und Bitterkeit, aber auch Sorgen und Angst wertvollen Speicherplatz in unseren Herzen. Es können aber genauso auch Ereignisse sein, die wir nicht loslassen können – die unsere Aufmerksamkeit von dem ablenken, was JETZT wichtig ist. Es passiert oft unbewusst und schleicht sich ein. Wir merken gar nicht, wie die Tage vergehen, an denen wir uns mit der Verwaltung von altem Ballast beschäftigen. Tage, an denen wir die Unordnung von Gestern aufräumen und keine Energie mehr dafür haben, über Morgen nachzudenken. Tage, in denen wir keine Gelegenheit finden, Gott zu fragen, was seine Perspektive ist und mit ihm einen Blick in Richtung Zukunft werfen.

So oft erwische ich mich dabei, wie ich in besonders herausfordernden Zeiten die Luft anhalte, innerlich den Liegestuhl am Meer anvisiere und die Entstehung von neuen Ideen oder einer neuen Vision dorthin verschiebe. Bis ich dann auf besagtem Liegestuhl sitze und im Rückblick merke, wie viel Neues Gott in mir gerade in den turbulenten Zeiten hervorgebracht hat. Wieviel ich lernen durfte, wieviel ich aber auch Neues gestalten konnte. „Erkennt ihr es denn nicht?“ heißt es in Jesaja 43 weiter und spricht genau in diese Situationen. Wir müssen Ihn nur bitten, dass Er es uns zeigt. Wir dürfen erwarten, dass Er in den verrücktesten Zeiten Neues in uns und auch durch uns schafft.

Durch die Bibel ziehen sich unzählige Geschichten von göttlichen Begegnungen und Veränderungen – ja absolut innovativen Ereignissen – die sehr weit weg waren vom Liegestuhlmoment. Gott kam und kommt so oft in die für uns unpassend erscheinenden Situationen, die aber in erstaunlicher Weise ein Leben grundlegend verändern können.

Wie oft habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass neue Impulse oder kreative Ideen mitten in den stressigsten Zeiten entstehen. Nicht im perfekten Moment am Strand, wenn die Sonne meine Nase kitzelt und ich dem Meeresrauschen lausche. Sondern in einer vollen U-Bahn, wenn plötzlich ein spontanes Gespräch mit einer Fremden entsteht. Oder in einem Meeting, das ich reinquetschen musste, an dem ich aber plötzlich staunen muss, mit welch motivierten und humorvollen Leuten ich zusammenarbeiten darf. Sie entstehen, wenn ich mit offenem Herzen zu meinen Tanzschülern gehe oder wenn ein Tag so richtig daneben war und ich mir erlaube, über den Kontrollverlust zu lachen. In solchen Situationen merke ich plötzlich, wie ein Tanz – eine Choreografie – in meinem Kopf entsteht. Wenn ich mich darauf einlasse, nicht die Luft anhalte, sondern tief ein- und wieder ausatme. Wenn ich mich nicht vom Moment überrollen lasse, sondern das entdecken will, was mir Gott genau JETZT Neues zeigen möchte und was mich wiederum dazu inspiriert, innovativ zu handeln.

Lasst uns das Neue im Alltag erwarten und Platz in unseren Herzen dafür lassen. Lasst es uns nicht auf später verschieben. Ich glaube, da wartet noch sehr viel Erstaunliches auf uns.

 

Maresa Urban hat als ausgebildete Tänzerin und Tanzpädagogin ihr größtes Hobby zum Beruf gemacht und dann Kulturmanagement (BA) studiert. Sie ist Mama einer 2-jährigen Tochter, mit der sie jeden Tag Neues entdecken darf. Seit 2016 ist sie im Leitungsteam von Esther Ministries Stuttgart, einem Verein, der sich für Opfer von Zwangsprostitution einsetzt. Ihr Herz schlägt für die Abschaffung von Menschenhandel, für Kunst und Kreativität – in und außerhalb der Gemeinde, fürs Schreiben und gute Bücher. Das Kochen überlässt sie dafür ihrem Mann.

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