Es war ca. 1951 in Oslo, Norwegen – meine Oma hatte zwei kleine Jungs, 3 und 5 Jahre alt. Ihr Mann war plötzlich einfach zur See gegangen, ohne sich wirklich zu verabschieden. Jetzt saß sie alleine da, mit ihren kleinen, wilden Jungs. Was sollte sie tun?

 Um das Gesicht nach außen zu wahren, wusch sie jeden Abend die wenigen Kleidungsstücke ihrer Jungs, damit sie morgens sauber angezogen aus dem Haus gehen konnten. Das war wichtig, denn was würden die Leute sagen, wenn ihre Kleinen dreckig herumlaufen würden? Um ihre kleine Stadtwohnung zu finanzieren, konnte sie bei ihrem Onkel im Gemüseladen und später auf dem Markt Gemüse verkaufen. Die Jungs waren tagsüber dann mehr oder weniger auf sich gestellt.

An vielen Abenden hätte sie am liebsten vor Erschöpfung alles hingeschmissen und einfach nur geweint. Doch das konnte sie nicht – ihr Durchhalten war für die Jungs ja existenziell!

 Sie brachte ihren Jungs bei, dass starke Mamas niemals weinen.  Auch die Jungs sollten auf die Zähne beißen, denn nur so konnte man gut überleben in dieser harten Welt.

Ich glaube, dass viele von uns ähnlich geprägt wurden und wir denken, dass Stärke gleich Härte ist. Uns wurde vermittelt: Emotional sein, ist gleich schwach sein und weinen ist ein Zeichen von mangelnder Widerstandskraft. Hast du das auch schon mal gedacht? Das kann zu Festlegungen führen, die uns steuern.

So wie: Um auf Leadership-Ebene respektiert und gehört zu werden, muss man beweisen, dass man etwas aushalten kann. Man muss eine dicke Haut haben usw.  Diese Art zu leben ist sehr anstrengend, denn wir wurden mit Emotionen geschaffen. Sie dauerhaft zu unterdrücken bringt uns in eine ungesunde Situation.

 Ich persönlich glaube, dass Emotionen etwas sehr Kraftvolles und Positives sind, denn sie sind uns von unserem Schöpfer geschenkt. Jedoch sollten wir uns nicht von unseren Gefühlen beherrschen lassen, sondern lernen, sie wahrzunehmen und zu verstehen und richtig mit ihnen umzugehen. Emotionen können Warnhinweise sein, die uns etwas über unseren seelischen Zustand sagen. Sie können uns aber auch etwas über Situationen sagen, indem wir Dinge wahrnehmen, die Störfaktoren sind. Das kann extrem hilfreich sein.

 Wir müssen jedoch verstehen, dass die Emotionen an sich uns nicht stark machen – sondern die Wahrheit macht uns stark. Wenn wir lernen, dass Wahrheit über den momentan empfundenen Fakten steht, bringt das Stabilität und Stärke in unser Leben. Dafür müssen wir aber definieren, was Wahrheit ist. Oft werden wir in einer emotionalen Situation die Fakten als Wahrheit empfinden. Die Bibel sagt uns aber, dass Gottes Wort die Wahrheit ist. Das, was Gott sagt, ist Wahrheit. Es ist die Realität, die in unserem Inneren Stabilität bringt, auch wenn die Umstände instabil sind.

 Wie funktioniert das praktisch? Vielleicht fühlst du dich momentan unfähig, eine Situation zu lösen. Das ist momentan eine Tatsache – dieses Gefühl ist echt. Es kann ganz schön überwältigend sein. Und doch gibt es etwas, das stärker ist und dir helfen kann, aus diesem Gefühl rauszukommen: Das Wort Gottes sagt uns, dass Er in unserer Schwachheit stark ist und uns zur Hilfe kommt (2. Korinther 12:9). Die Bibel sagt uns auch, dass der Heilige Geist uns Weisheit gibt, wenn wir nicht weiter wissen (Jakobus 1:5).

Diese Wahrheit steht über den Fakten, die oft scheinbar lauter sprechen. Wenn wir das als Realität in unserem Leben annehmen und zulassen, dass Gott uns hilft, werden wir stark und frei. Denn die Stärke ist dann nicht mehr von unserer Leistung und Genialität abhängig, sondern von Gottes Gnade, die wir empfangen dürfen, und zwar jeden Tag neu.

 Meine Oma war eine starke, aber auch eine zerbrochene Frau. Sie hatte in ihrem Leben als Realität nur die Fakten, mit denen sie täglich zu kämpfen hatte. Das hat leider viel Schmerz und Bitterkeit in ihrem Herzen verursacht. Erst sehr viel später hat sie entdeckt, dass Jesus für alle diese Schmerzen am Kreuz den Preis bezahlt hat und ihr dadurch einen Zugang zu Heilung geschenkt hat.

Warte nicht dein ganzes Leben darauf, dass die Schmerzen in deinem Herzen sich irgendwie aufheben. Wenn du in deiner eigenen Kraft versuchst stark zu sein, wird das dein Herz belasten und Bitterkeit wird Raum bekommen. Vertraue Gott, dass seine Wahrheit tragfähig ist und du dich ganz auf seine Stärke verlassen kannst. Dann wirst du in deinem Alltag, mit all den Herausforderungen, denen du begegnest, stark sein!

„Zum Schluss noch ein Wort an euch alle: Werdet stark, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid! Lasst euch mit seiner Macht und Stärke erfüllen!“ Epheser 6:10

Kristin Reinhardt

Kristin ist Initiatorin und Leiterin von Wertvoll und mit ihrem Mann Tim, Teil des Core Teams im Gospel Forum. Sie möchte Teil davon sein, wenn eine große Schar von Mädels und Frauen aufsteht, um die frohe Botschaft auszurufen, gemäß Psalm 68:12. Eine ganze Armee von Frauen, die für etwas Größeres leben, als nur für sich selbst. Sie will sehen, dass Menschen im Wort Gottes gegründet sind und den Traum Gottes für ihr Leben entdecken.

3 Kommentare
  1. Christiane Grupp
    Christiane Grupp sagte:

    Danke, sehr ermutigend und klärend!
    ich bin so froh, dass unser Jesus eine andere Anrwort hat als Zähne zusammenbeißen!
    Und ich bin so dankbar, dass deine Oma durchgehalten hat!!!
    Sie musste ohne dieses Wissen, das wir haben, die Situation durchstehen…

    Antworten

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