Das erste Mal, dass ich von diesem Thema “Gottes Stimme hören” hörte, war in einem Sonntagsgottesdienst, als der Pastor predigte. Ich war damals 14 Jahre alt und neu im Glauben. Es war für mich erst der zweite oder dritte nicht-katholische Gottesdienst. Der Pastor erzählte, wie Gott ihn darin leitete, auf ihn zu hören. Alles, was ich von ihm hören konnte, waren Sätze wie “Gott sagte mir, ich solle … sagen”, “Gott sagte, ich lag falsch”, “Gott schenkte mir einen Traum…”, und so erzählte er immer weiter. Ich war so fasziniert davon, wie er Gottes Stimme hören konnte, und wie normal es für ihn war, Gott zu hören. Er verließ sich im alltäglichen Leben auf Gott.

Oh, du kannst dir nicht vorstellen, wie lange und auf wie viele unterschiedliche Weisen ich versucht habe, einfach Gottes Stimme zu hören. Wenn ich zurückschaue, muss ich schmunzeln. Wie lustig muss es für Gott gewesen sein, mir dabei zuzusehen. Sicherlich brachten ihm meine Bemühungen viel Freude.

Ich erinnere mich, wie ich mich in ein Zimmer einschloss, um alleine zu sein und auf dem Boden zu knien, bis es wehtat. Ich stand extra früh auf, um beten zu können – und schlief dann wieder ein. Ich hatte keine Ahnung, wie oder was ich tun sollte, um Gottes Stimme hören zu können. Aber ich war so fasziniert von diesem Pastor und seiner einzigartigen Beziehung zu Gott, obwohl er sogar eigentlich über ein ganz anderes Thema gepredigt hatte.

Das Lustigste, was bei meinem Experimentieren passiert ist, war, als ich einmal alleine zuhause war. Ich legte mich auf den Boden, die Arme ausgebreitet, mitten in unserem kleinen Wohnzimmer. Wie üblich schlief ich ein… bis mich plötzlich meine schreiende Schwester aufweckte! Sie dachte, ich sei ohnmächtig geworden, und erschrak, als sie mich da wie tot am Boden liegen gesehen hatte. Es gibt noch so viel mehr Geschichten, die ich erzählen könnte; leider alle erfolglos. Ich hatte nicht den Mut, mit jemandem über dieses Thema zu sprechen, oder jemanden zu fragen, weil ich Angst hatte, sie könnten denken, ich hätte den Verstand verloren. Aber trotzdem experimentierte ich immer weiter.

An einem Tag – es war einer der schlimmsten Tage meines Lebens, und ich erwartete nicht, dass Gott sprechen würde – versuchte ich meinem Leben ein Ende zu setzen und mich im Meer zu ertränken. Als mein ganzer Körper unter Wasser war, hörte ich plötzlich jemanden sagen: “Ich weiß, welche Pläne ich für dich habe, Pläne des Friedens und nicht des Leides, um dir Zukunft und Hoffnung zu geben. Rufe mich an, komm zu mir, bete zu mir, und ich werde dich hören. Du wirst mich suchen und mich finden, und wenn du mich von ganzem Herzen suchst, werde ich mich von dir finden lassen.” (Jer 29,11-14). Das war mein Wendepunkt, an dem ich realisierte: In der Tat IST ER REAL und er EXISTIERT. JA, ich hörte ihn, wie er zu mir sprach.

Seit diesem Zeitpunkt spricht Gott nicht nur zu mir, wenn ich bete. Er spricht, wenn ich den Haushalt mache, spaziere, Auto fahre oder Freunde und Familie treffe. Auch während ich mit meinem Mann oder meinen Kindern spreche, redet Gott zu mir. Gott ist überall. Er spricht nicht nur in Sonntagsgottesdiensten, Worship-Sessions oder Gebetstreffen. Gott liebt es, Konversation mit seinen Kindern zu haben. Ja, mit seinen Kindern.

Ich glaube, dass jeder – ich wiederhole: JEDER – Gott hören kann. In so vielen Bibelgeschichten spricht Gott zu seinen Leuten. Gott sprach zu Noah (1. Mo 6,9-22; 7,1-4). Er sprach mehrere Male zu Abraham (1. Mo 12,1-3; 22). So oft, vom Alten bis ins Neue Testament, hat Gott zu seinen Leuten gesprochen. Ich ermutige dich: Lies die Bibel, und du wirst staunen, wie oft Gott geredet hat, auch oft zu Zeitpunkten, an denen es die Menschen am wenigsten erwartet haben. Ein Vers, der mir hilft, zu glauben, dass ich Gott hören kann, ist Joh. 10,27f.: “Meine Schafe hören meine Stimme. Ich kenne sie, und sie folgen mir.”

Oft können wir Gottes Stimme nicht hören, weil wir so fokussiert darauf sind zu hören, was wir hören wollen, und nicht, was er uns sagen will. Ich denke, viele von uns können ihn nur schwer hören, weil wir falsche Erwartungen haben. Oft wollen wir nur schöne Dinge über uns hören, und Dinge, die uns angenehme Gefühle geben. So wie ich am Anfang; ich verschloss meine Ohren, wenn es um Korrektur ging, denn das ist nicht angenehm.

Ich könnte eine Geschichte nach der anderen über meine Erfahrungen erzählen. Wie Gott mich auf der Straße beschützte; wie er mich die lieben ließ, die mich hassten; gut war zu denen, die nicht gut waren; wie er mich dem richtigen Mann (meinem Ehemann) zuführte, den er für mich vorbereitet hatte; wie er uns half, unsere Kinder in einem fremden Land zu erziehen. Ohne Gottes leitendes, liebevolles und korrigierendes Sprechen sähe mein Leben ganz anders aus als es heute aussieht. Alle Ehre gebührt ihm.

An einem Tag fuhr ich in einem Van (14 Sitze), um unsere Missionarskinder von der Schule abzuholen. Kurz zu deiner Information: Wir lebten damals 11 Jahre in Papua-Neuguinea und arbeiteten mit Mission Aviation Fellowship (MAF) zusammen. Ich war kurz davor, einen kleinen Truck vor mir zu überholen, der zu langsam fuhr und viele Leute auf dem Rücksitz hatte. Plötzlich hörte ich, wie Gott sagte: “Überhol’ nicht, sondern folge dem Wagen und sei geduldig”. Nicht viel später stand überraschend auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Truck, und man konnte zwei ausgestreckte Beine sehen, die bis auf unsere Fahrbahn ragten. Diese Person reparierte ihren Truck und ich hätte ihn vielleicht überfahren, hätte Gott mich nicht gewarnt. So oft hat Gott mich vor einer Gefahr bewahrt. An einem meiner Shopping-Tage war ich gerade bereit, ins Auto einzusteigen, als Gott zu mir sagte: “Bleib zuhause”. Kurz nachdem ich zurück ins Haus gegangen war, hörte ich im Radio einen unserer Base-Leader sagen: “Achtung an alle MAF-Mitarbeiter, es gibt eine Aufruhr in der Stadt, bitte bleibt daheim!”

Meiner Erfahrung nach spricht Gott manchmal, wenn es gar nicht in unsere Situation und unsere Pläne passt. Trotzdem geht es immer so aus, dass es zu unserem Besten ist. Ich habe gelernt, Gott gehorsam zu sein, auch wenn ich ihn manchmal nicht verstehe. Denn ich weiß: Er ist ein guter Gott und er will unser Bestes. Ich ermutige dich, ihn auch Herr deines Lebens sein zu lassen, deine Erwartung abzulegen und ihm zu erlauben, zu dir zu sprechen und dich zu leiten. Du wirst überrascht sein, wie oft Gott zu dir spricht.

Gott will Teil unseres Lebens sein, auch unserer täglichen Routine. Er hat uns nicht versprochen, dass alles einfach und gut werden wird in unserem Leben. Aber mit Gottes Führung können wir allen Herausforderungen des Lebens bis zum Ende mutig und stark entgegentreten. Mit einem wunderbaren Frieden und Stärke tief in uns können wir selbst mitten im Sturm fröhlich sein. Mit dem Wissen, dass Gott mit uns ist, dass er uns treu leitet und uns den richtigen Weg zeigt, können wir jede Herausforderung in unserem Leben meistern. Jesus selbst nahm sich immer Auszeiten von der großen Menschenmenge, um Zeit mit Gott, seinem Vater, zu verbringen. Es ist so wichtig, dass wir eine enge Beziehung zu Gott haben. Denn je mehr Zeit wir mit ihm verbringen, desto leichter erkennen wir seine Stimme.

Eine ganz simple Geschichte: Mein Mann arbeitete vor unserer Garage und verlor ein sehr kleines, aber wichtiges Teil. Er bat mich, ihm beim Suchen zu helfen. Das erste, was mir in den Sinn kam, war, Gott zu fragen. Also sagte ich: “Vater, ich weiß, dass du weißt, wo dieses Teil ist, denn du bist Gott.” Direkt hörte ich ihn antworten: “Geh ein paar Schritte nach links.” Kurz darauf sah ich dieses kleine Teil direkt vor meinem Fuß liegen. – Wie wunderbar ist es, in den größeren und in den kleinen Dingen von Gott abhängig zu sein. Er will so gerne, dass wir ihn besser kennenlernen, dass er uns sogar in solchen kleinen Dingen hilft.

Einmal betete ich für einen Mann aus der Kirche, und Gott zeigte mir ein Bild, von dem ich dachte, dass es nicht zu einem Mann passen konnte. Ich zögerte, dem Mann von diesem Bild zu erzählen, aber ich tat es dann doch. Als ich es ihm weitergab, weinte er einfach nur. Gott hält Ausschau nach Menschen, die willig sind, seine Hände, Füße, Ohren, Augen und sein Mund zu sein, um dadurch seine Leute zu ermutigen.

Als unser Sohn in Südafrika war, wachte ich eines Tages mit einem Drängen auf, für seine Sicherheit zu beten. Am selben Tag erhielten wir von ihm eine Email, dass er beraubt wurde und deshalb seine Kamera und sein Handy verloren hatte. Wir sind Gott so dankbar dafür, dass unser Sohn unversehrt war.

Unsere Tochter war auf dem Sommer Festival (Jugendcamp), als mitten im Sonntagsgottesdienst das Bild ihres Gesichts in meinem Geist aufblinkte. Ich betete für sie, dass sie ein offenes Herz hätte, um Gott erleben zu können. Aber Gott leitete mich, sodass ich stattdessen für ihre physische Bewahrung betete. Ich spürte mein Herz so schnell schlagen, aber ich fokussierte mich darauf, für sie zu beten. Am Ende des Tages schrieb sie uns, dass sie einen Unfall hatte, und dass sie nicht wusste, wie es passiert war. Sie hätte schwer verletzt werden können, so wie sie gefallen ist. Aber sie hatte nur ein paar Kratzer und Schrammen.

Ich liebe so sehr die Zeiten, in denen ich alleine bin. Ich liebe es, Zeit mit Gott zu verbringen und ihn dafür zu loben, wer er in meinem Leben ist. So oft, wenn ich irgendwo mittendrin bin, kommt er auf verschiedene Art und Weise. Manchmal gibt er mir eine Bibelgeschichte, und dann stoppe ich, schaue sie mir genau an und sehe und verstehe die Geschichte plötzlich auf eine andere, neue Weise. Gott schaut direkt in unser Herz und auf unsere Motivation – ob wir ihn hören wollen, weil wir ihn wirklich kennenlernen wollen, oder ob wir nur Applaus von Menschen bekommen wollen.

So oft korrigierte mich Gott (oh, ich sage dir, es tut weh!) auf meiner Reise mit ihm, und ohne seine Korrektur wäre mein Leben heute wohl ein ganz schönes Chaos. Meine Ehe wäre ein Disaster und ich würde meine Kinder verletzen, denn meine Kindheit war nicht sehr gut. Ich wuchs auf mit einem Vater, der oft betrunken war und mit einer Mutter, die eine Hochstaplerin war und Jeden ausnutzte, auch aus der Familie und aus der Kirche.

Ich machte so viele Fehler dabei, unsere Kinder zu disziplinieren. So oft konfrontierte mich Gott, dass es falsch war, wie ich mit ihnen umgegangen war, und dass ich um Verzeihung bitten müsste. Oh, ich sage dir, wie schwer es für mich war, unsere Kinder um Vergebung zu bitten. Manchmal schob ich es den ganzen Tag auf, weil ich innerlich so damit zu kämpfen hatte. Aber es war so erleichternd, als ich sie um Vergebung gefragt hatte. Die Umarmungen, die ich von ihnen bekam, als sie sagten: “Ich vergebe dir, Mommy” –  was für ein schöner Satz; Musik, die mein Herz zum schmelzen bringt.

Gott kennt dich, und er hat dich erschaffen. Also weiß er auch, wann die perfekte Zeit ist. Gib niemals auf, behalte dir deinen Eifer und deinen Hunger, ihn zu hören. Öffne dein Herz und lass Gott zu dir sprechen. Lass Gott, Gott sein. Oft habe ich Gott in eine Box gesteckt und wollte nur hören, was mir gefiel Ich habe gelernt, dass eigentlich eher ich in einer Box sein sollte und auf Gott hören sollte, wenn er spricht. Wie oft entscheiden wir nach unseren Emotionen? Doch Gott ist an unserem Herzen interessiert, nicht in erster Linie an unseren Gefühlen. Ich persönlich würde so viele Menschen verletzen, wenn ich mich nur von meinen Gefühlen leiten lassen würde. Es ist besser, Kontrolle über deine Emotionen und Gefühle zu haben, als dass sie dich kontrollieren.

Eine Frau hat mir einmal gesagt, dass Gott nur an denen interessiert ist, die gerecht, heilig und perfekt sind. Was? Wie bitte? Niemand auf dieser Welt kann das erfüllen, denn wir sind alle Sünder, und nur durch Jesus sind wir gerettet (Joh. 3,16). Ich bin nicht perfekt  und kann sagen, Gott ist noch nicht fertig mit mir. Ich habe so viele Fehler gemacht, und bin Gott so dankbar für seine unendliche Liebe und Gnade. Er sieht mich als die, der er vergeben hat, und die durch das Blut von Jesus reingewaschen ist.

Gott spricht zu uns durch seine Schöpfung, durch Menschen um uns herum, direkt zu uns und meistens durch sein Wort, was die Bibel ist. Ich bete, dass du ganz persönlich, nachdem du diesen Artikel liest, ermutigt bist, deine Reise zu beginnen, um Gottes Stimme klarer zu hören. Schritt für Schritt, jeden Tag. Ich bin immer noch dabei, seine Kommunikationswege zu lernen und zu entdecken, wie ich Gottes Ohren, seine Augen, Füße, Hände und sein Mund sein kann in dieser Welt. Immer wieder bin ich begeistert darüber, wie Gott in meinem Leben wirkt, und wie er mich zu der Tochter verändert, die er haben will. Gott sagt in seinem Wort: “Meine Gedanken sind nicht deine Gedanken, und meine Wege sind nicht deine Wege. Sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als deine Wege, und meine Gedanken als deine Gedanken.” (Jes. 55,8f.).

Carmela Lasi  ist 45 Jahre alt, verheiratet mit ihrem Mann Holger und hat zwei erwachsene Kinder. Sie kommt ursprünglich von den Philippinen. Als junge Erwachsene war sie bei Jugend mit einer Mission und hat mit King’s Kids gearbeitet. Anschließend kamen sie als Ehepaar nach Deutschland. Als Familie waren sie 11 Jahre vom Gospel Forum nach Papua-Neuguinea ausgesandt. Dort war Carmela in einer Frauengefängnis Arbeit, einer Missions-Schule und anderen Projekten tätig. Heute leben sie in Ludwigsburg, ist Teil des Wertvoll Leitungsteams und unterstützt ihren Mann bei seiner Arbeit im Gospel Forum.

4 Kommentare
  1. Petra Strobel
    Petra Strobel sagte:

    Vielen Dank Carmela!
    Woher habt ihr vom Wertvoll Team gewusst, dass ich Gottes Stimme besser hören möchte?!!!
    Und es ist so schön, dich besser kennenlernen zu können Carmela, nebenbei noch was über Kindererziehung zu verstehen…

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