Es gibt so viel zu entscheiden, jeden Tag, eigentlich jeden Augenblick: Wann stehe ich auf? Was ziehe ich an? Fahre ich mit dem Auto oder mit dem Rad? Welche Schuhe nehme ich? Was möchte ich essen?

Sooo viele Entscheidungen sind den ganzen Tag über zu treffen. Dabei geht es oft nur um Kleinigkeiten, um Dinge, die zwar nicht sehr wesentlich sind, die aber meinen Wohlfühlfaktor erhöhen oder absenken können.

Dann gibt es natürlich noch wesentlichere Entscheidungen, z.B. welchen Beruf soll ich wählen? Oder doch lieber studieren? Welchen Mann soll ich heiraten? Mit welcher Freundin möchte ich den Kontakt pflegen, mit wem möchte ich mich treffen?

Manchmal überfordern mich die vielen Entscheidungen, und ab und zu kommt auch Stress deshalb auf. Doch bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, dass hinter den vielen offenen Fragen etwas ganz Wunderbares steht: soviel Freiheit, dass ich sogar wählen kann zwischen verschiedenen Optionen! Das heißt: das Angebot ist so reichhaltig, dass ich entscheiden darf, was mir lieber ist, was mir besser passt, schmeckt, gefällt, gesünder für mich ist, besser in meinen Zeitplan passt usw.

Auch zeigt es mir, dass ich kein Opfer meiner Situation bin, ausgeliefert wäre, so dass ich nur hinnehmen müsste, wie es kommt. Nein, ich darf selbst entscheiden, bin selbstbestimmt (da würden in anderen Ländern viele Frauen nur davon träumen) Die Situation ist also – wie man so schön sagt – ‚Lust und Frust‘ zugleich! Ich darf selbst entscheiden, aber ich muss es auch!

Die Alternative nicht zu entscheiden funktioniert nicht wirklich. Ich kann mich zwar davor drücken, aber entweder entscheidet dann einfach jemand anderes für mich oder mich holt mein Nicht-entscheiden dann irgendwie und irgendwann ein. Meist mit unangenehmen Folgen, z.B. dass Fristen verstrichen sind, ich nicht angemeldet bin, Dinge nicht erledigt sind oder etwas kaputt geht, weil vernachlässigt.

Für die ‚kleinen Alltagsentscheidungen‘, also die Frage nach dem Aufstehen, Kleidung, Essen, … gibt es einen einfachen Trick: Routine! Ich kann einmal eine Entscheidung treffen, z.B. wann ich jeden Tag aufstehe, und dann wird einfach der Wecker entsprechend eingestellt. So muss ich nicht jeden Tag neu grundsätzlich in Frage stellen, wann ich aufstehe oder ob überhaupt 😉

Und das gilt für viele (unwichtige) Dinge im Alltag: ich kann mir einen Wochenrhythmus erstellen, z.B. am Montag wasche ich Wäsche, am Dienstag gehe ich einkaufen, Mittwoch ist Sporttag, Donnerstag kommt Besuch und Freitag mache ich einen Besuch, Samstag Putztag, Sonntag Gottesdienst, danach spazieren gehen…, immer zur ungefähr gleichen Zeit ins Bett.

So ein Raster kann mir helfen, denn viele Entscheidungen sind damit quasi ‚automatisch‘ getroffen und es leitet mich durch meine Woche. Kommen Terminanfragen von Freunden, dann ist klar, das läuft donnerstags oder freitags. Natürlich lebe ich meinen ‚Rahmen‘ dynamisch, d.h. Abweichungen sind immer möglich, wenn es nicht anders geht oder ein Notfall ist.

Doch was ist mit den großen, wichtigen Entscheidungen wie Beruf, Arbeitsplatz, Partner, Wohnort usw.?

Meine Faustregel: Je weitreichender die Entscheidung, desto genauer sollte vorher überlegt sein!

Dafür wird erstmal gebetet, weiter werden auch mehr Personen in die Entscheidung mit einbezogen bzw. befragt: z.B. meine Familie oder nahestehende Freunde. Sie kennen mich am besten und können mir manchmal ziemlich genau sagen, was zu mir passt und was nicht. Wichtig dabei: sie dürfen mich beraten, Vor- und Nachteile durchdiskutieren, aber entscheiden muss und darf ich selbst. Denn ich muss ja auch in der Folge die Konsequenzen tragen und im Zweifelsfall dafür geradestehen.

Wenn große, komplexe Entscheidungen anstehen, kann es auch mal hilfreich sein, zu einem Coach oder Mentor zu gehen und sich mit ihm zu beraten. Da gibt es wunderbare und hilfreiche Tools, wie man Entscheidungen treffen kann.

Was ich im Laufe des Lebens immer mehr sehe: Entscheidungen haben oft sehr viel mit meinen Werten zu tun. Ist mir z.B. Ökologie wichtig ist, werde ich beim Wohnortwechsel darauf achten, dass ich Anschluss habe an den öffentlichen Nahverkehr. Wenn ich Wert lege auf Menschen, werde ich darauf achten, dass ich einen Beruf wähle, wo ich mit Menschen zu tun habe. Wenn mir mein Glaube wichtig ist, werde ich bereit sein, Zeit dafür zu investieren, um täglich oder möglichst oft in der Bibel zu lesen, etc.

Folglich möchte ich sagen: es lohnt sich, sich Gedanken zu machen: Was ist mir wichtig? Welche Werte habe ich? Wofür möchte ich einstehen? Welche Schwerpunkte möchte ich setzen? Wer Antworten darauf hat, wird sich leichter tun, gute Entscheidungen zu treffen!

Und wie ist das mit dem Willen Gottes? Wie denkt Er über meine Entscheidungen? Woher weiß ich, was Gott von mir möchte? Für diese Frage handle ich meist nach dem Prinzip der ‚offenen Türen‘. Ich gehe also nach meinen Überlegungen und meinem Abwägen so lange weiter, bis es nicht mehr weiter geht oder Widerstände auftreten. Also: weiter bis ein ‚Nein‘ kommt! Manchmal gibt es aber auch Widerstände, und man weiß trotzdem genau, dass es richtig ist, diesen Weg zu gehen. Dann gilt es, standhaft zu bleiben und die Widerstände mit Gottes Hilfe zu überwinden. In der Bibel habe ich Gott als einen Gott kennengelernt, der als Wegbegleiter überall mit hin geht. Egal, wohin ich gehe. Egal, wie ich mich entscheide, Er ist überall bei mir, immer dabei! In Matthäus 28,20 heißt es: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende! Manchmal, aber dies erlebe ich nur ganz ab und zu, hat Gott eine ganz spezielle Wegführung, wo ganz konkret Gehorsam von mir dran ist, und er auch entsprechend deutlich mit mir spricht. Aber im Großen und Ganzen hat Gott den Menschen Freiheit gegeben, selbst zu entscheiden und zu handeln. (1. Mose 1,28) Sofern es die Liebe nicht verletzt, nicht gegen die Gebote geht und nicht unmoralisch ist oder gegen biblische Aussagen steht.

Aber wie kommt es denn nun zu einer Entscheidung?

In der Bibel ist davon zu lesen, dass manchmal per Los eine Entscheidung gefällt wird. Manche Menschen schreiben zu einer Sache alle Vor- und Nachteile auf und wägen ab. Andere werfen eine Münze: Kopf oder Zahl? Wenn dann entschieden ‚wurde‘, und es ärgert einen, dass nicht die andere Sache gewonnen hat, dann weiß man plötzlich genau, was man eigentlich wollte und kann dann ggf. nochmal umlenken. Vielen hilft es, mit jemandem zu reden, denn beim Formulieren sortieren sich die Gedanken besser und manches wird dadurch klarer. Und ich denke, es lohnt sich, zu lernen, auf sein ‚Bauchgefühl‘ zu hören! Denn das Unterbewusstsein nimmt Dinge wahr, die mein Verstand nicht wahrnimmt.

Mir persönlich hilft es, wenn ich mir klarmache, dass meist nichts wirklich Schlimmes passiert, wenn ich mal daneben liegen sollte mit meiner Entscheidung. In den meisten Fällen sind Entscheidungen korrigierbar und wieder rückgängig zu machen. Das entspannt und gibt mehr Gelassenheit beim Entscheiden.

 

Sandra Käser ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Sie ist nebenberuflich als Coach tätig. Vor Kurzem hat sie sich erneut für einen neuen Wohnort entschieden und lebt nun mit ihrer Familie in der Nähe von Ludwigsburg.

1 Antwort
  1. Conny Wagner
    Conny Wagner sagte:

    Soo gut Sandra, vielen Dank!
    Mir hilft es auch oft, wenn ich die Möglichkeit, mich entscheiden zu dürfen als Privileg betrachte und nicht als Last!
    Und wie beruhigend ist es, zu wissen, dass Jesus immer bei mir ist, egal wie ich mich entscheide!!

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