Da werde ich gefragt, etwas zum Thema Ruhe zu schreiben und lache erst einmal laut los.

Denn Du musst wissen, ich bin Mama eines Kleinkindes des Modells Duracell – Engergietank unerschöpflich – dabei bin ich als Psychotherapeutin in eigener Praxis berufstätig, veröffentliche als Wissenschaftlerin Artikel und arbeite als Dozentin an verschiedenen Hochschulen und zu guter Letzt bin ich mit einem selbständigen Unternehmer verheiratet. Als Topping unserer Situation darfst Du dir jetzt noch den Corona Lock-Down ohne Kinderbetreuung vorstellen.

Ruhe – ja – das war ganz bestimmt das, wonach wir uns gesehnt haben!

Doch dann erinnere ich mich an die Zeit des Lock-Downs – ja, es war unheimlich anstrengend, 24/7 eingebunden zu sein, Aufgaben zu bewältigen und zu versuchen, die Dinge, so gut es ging, am Laufen zu halten.

Und das war eben der Punkt – so gut es ging!

Dann blieben Dinge einfach auch mal liegen, dann wurde die Wäsche später gewaschen, der Einkauf ab 23:00 Uhr erledigt (Dank an die Mitarbeiter in den Supermärkten!) und die Welt drehte sich zu meinem Erstaunen doch weiter, die Katastrophe blieb aus!

Ja, gerade dieses „einfach einmal etwas liegenlassen können“ und stattdessen das Fahrrad nehmen und mit dem Kind einen Ausflug machen, durch die Landschaft radeln und dabei einmal tief durchatmen – das war ein Moment des zur Ruhekommens in dem ganzen Aufgabenstrudel. In den herrlich blauen Himmel zu sehen, die Vögel zwitschern zu hören und Gott für dieses herrliche Geschenk der Natur und der ungeahnt verfügbaren Zeit zu danken – das war wundervoll.

Denn sind es nicht unsere hohen Ansprüche an uns selbst – der Anspruch, alles unter einen Hut bringen zu wollen, es perfekt machen zu wollen, – die uns daran hindern, „einfach“ einmal zur Ruhe zu kommen? Die Gesellschaft verlangt Frauen in dieser Hinsicht auch sehr viel ab. Frauen sollen liebevolle, aufopferungsvolle Mütter sein, sie sollen den Haushalt im Griff haben, beruflich auch ihren Weg gehen und dem Manne eine Stütze sein und am besten dabei immer gut gelaunt und gut aussehend. D.h. sowohl wir selbst als auch unser gesellschaftliches Umfeld formulieren diese Ansprüche.

Bleibt nur die Frage: Warum wollen wir diese eigentlich erfüllen?

Die Antwort ist so simpel wie grundlegend: Weil wir uns alle nach Anerkennung, Respekt, Wertschätzung, Liebe sehnen und danach, Bedeutung zu haben. Das stärkt unseren Selbstwert.

Immer wieder fällt mir ein Lied von Cae Gaunt ein: „Wer legt den Selbstwert fest jenseits von Geschlecht, von Geld und Leistung, Gott, der Dir sagen lässt – lass Dich nicht von Zwängen (Ansprüchen) jagen – du darfst ganz Du selber sein. Gott meint, was er sagt, tut mehr als ich kann und was er für mich will, gibt mir eine Chance auf erfülltes Leben.“

Und dieses Innehalten zu hören, wie Gott sagt: „Lass Dich doch nicht von Zwängen/Ansprüchen jagen“ – das zieht den Stöpsel, das hält das Karussell an und ich spüre, wie meine Seele zur Ruhe kommt. Da kommt wieder die göttliche Ausrichtung in mein Leben. Er sagt: „Ich liebe Dich, Du bist mir wertvoll, lass mich doch Dinge für Dich tun“. Denn schließlich war ich und die gesamte Welt Gott, dem Vater, seinen einzigen und innig geliebten Sohn wert.  Das ist an Wertschätzung einfach nicht zu toppen.

Doch scheint mir neben dem Thema Selbstwert auch eine Fähigkeit besonders wichtig, um zur Ruhe kommen zu können. Das ist die Fähigkeit, mir selbst und anderen Grenzen zu setzen. Jeder von uns hat andere Dinge, die ihn entspannen oder zur Ruhe bringen. Bei mir ist es die Natur und die Bewegung in der Natur. Seit neuestem nehme ich mir, nachdem ich mein Kind in den Kindergarten gebracht habe, Zeit, um eine halbe Stunde durch den Wald zu joggen. Das klingt für manche relativ unspektakulär, aber für mich hat es eine Menge an innerer Überzeugungsarbeit bedurft. Die inneren Dialoge hörten sich unter anderem folgendermaßen an: „Kann ich mir das überhaupt erlauben? Auf meinen Schreibtisch stapelt sich die Arbeit, der Garten braucht mich, das Email-Postfach will auch abgearbeitet werden, das und das müsste ich noch vorbereiten…“

Dann gab es noch die soziale Variante des inneren Dialogs: „Welche Frau hat schon den Luxus, das morgens zu tun? Kann ich das Handy im Auto lassen; was ist, wenn jemand mich dringend braucht?“ Plötzlich war es so deutlich: Ich muss die Grenze setzen und sagen: „Diese Zeit des zur Ruhekommens ist wichtig und diese Grenze setze ich mir und anderen.“ – Eine Auszeit ohne schlechtes Gewissen! Für andere bedeutet diese Grenze vielleicht, ohne schlechtes Gewissen nicht ständig alle Nachrichten auf Facebook, Instagram, Twitter oder anderen social media Kanälen zu bedienen – eine Auszeit zu machen und anderen aus meinem Studium oder Freundeskreis eine Grenze zu setzen, nicht überall dabei sein zu müssen. Grenzen tun uns gut, um zur Ruhe zu kommen.

Die letzte Station am Tag ist das Gute-Nacht-Ritual mit meinem Sohn. Dann beten wir zusammen und danken Gott für die Dinge am Tag und ich singe, da ich Lobpreis liebe, Lieder für und mit ihm und immer wieder spüre ich, wie der Heilige Geist kommt, mir Texte wichtig macht, zu mir spricht und ich ganz ausgerichtet und ruhig werde in dieser Zeit, wo alles still wird und er mich und meinen Sohn zur Ruhe bringt.

Fazit: Es gibt sie doch, die Ruhe, nach der wir uns sehnen!

Sonja Friedrich-Killinger

Dr. Sonja Friedrich-Killinger ist Diplom-Psychologin und arbeitet als Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis, unterrichtet an verschiedenen Hochschulen und ist in der Therapieausbildung tätig. Ihre große Leidenschaft ist es, Multiplikatoren auszubilden. Als Wissenschaftlerin interessiert sie alles rund um das Thema Religion und Bindung. Als ausgebildete Wohn- und Architekturpsychologin hat sie Sinn für Schönes. Sie ist mit ihrem Mann Johannes Killinger verheiratet und lange Jahre im Lobpreis tätig gewesen, spät, aber glücklich, sind sie Eltern eines kleinen Sohnes geworden.

 

Unsere Herzen sehnen sich nach Ruhe, aber wir geben das nur ungern zu. Denn erschöpft zu sein oder das Bedürfnis nach Ruhe zu haben, wird sehr oft als Schwachheit wahrgenommen, umso mehr bei Führungspositionen. Ich höre manchmal Aussagen wie: „Ich habe mir am Wochenende ein bisschen Ruhe gegönnt“ oder „Du hast dir ein bisschen Ruhe verdient“. Als ob man sich Ruhe erarbeiten müsste, um es sich gönnen oder verdienen zu können. Man bekommt fast ein schlechtes Gewissen, wenn man „nichts Produktives“ tut oder wenn man für ein Moment „nichts leistet“ oder sogar, wenn man es gewagt hat, zu Hause zu bleiben, wenn draußen die Sonne scheint. Wir geraten heutzutage zu oft an Aktivismus – verständlicherweise bedingt auch durch die Schnelligkeit unserer Welt – und verlieren dabei den Fokus. Wir verpassen, was wirklich wichtig ist und verlernen dabei die Fähigkeit, still zu sein. Eine Minute Pause – und schon strömen tausende Gedanken und To-Dos durch unseren Kopf.

Wir füllen unser Leben mit so vielen Dingen und Aktivitäten, die es sehr leicht machen, die Sachen, die wirklich zählen, zu verpassen und die Stimme Gottes zu ignorieren. Wir sind beschäftigt, getrieben und leben in einer lauten und unruhigen Welt. Wir glauben, dass wir rund um die Uhr für alle außer Gott erreichbar sein müssen, und denken noch dazu, dass wir ein großer Segen für die Menschen um uns herum sind. Aber was geben wir ihnen, wenn wir leer sind?

In den ersten Wochen der Quarantäne, als alles sich bereits verlangsamte und meine laute Welt immer leiser wurde, spürte ich in mir eine Leere, die ich noch nie in meinem Leben gespürt habe. Die Wochen vergingen und meine Ausreden liefen mir aus. Ich begann mit der Stille zu kämpfen. Warum? Weil ich mit der echten Realität konfrontiert wurde und zugeben musste, dass ich ständig beschäftigt war, aber keine Vision hatte. Ich hatte lange Zeit wie eine Maschine funktioniert, weil es für mich einfach zu schmerzhaft war, zu erkennen, dass ich aufgehört hatte zu träumen, und dass meine Realität weit entfernt war von der, die ich mir erhofft hatte. Kann es sein, dass wir auch Ruhe vermeiden, um uns nicht mit uns selbst zu beschäftigen? Es ist nicht einfach zuzugeben, dass man nicht mehr träumt oder dass man Träume aufgegeben hat, weil man sich in das ständig Beschäftigtsein verlaufen und den Fokus verloren hat.

Workaholic zu sein, ist heutzutage sogar ein Trend. Und das nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im christlichen Umfeld. Aber wenn ich meine Bibel lese, lerne ich einen Gott kennen, der am siebten Tag ruhte, als er die Erde erschuf (1. Mose 2,2,) und einen Jesus, der sich Zeiten der Ruhe mit seinem Vater nahm (Markus 1,35). Und wir haben auch diesen freien Zugang zu Gottes Gegenwart durch Jesus. Wir sind berufen, in Gemeinschaft mit Gott zu sein, er gibt uns das Privileg, täglich mit ihm zu interagieren, er möchte uns zuhören, uns den Weg zeigen, uns neue Träume geben und uns helfen, diese zu verwirklichen. Wenn wir mutig genug sind und unseren Stolz und unsere Selbstgenügsamkeit zur Seite zu legen und Ruhe suchen, wird Gott unser Detour nehmen und daraus eine Zeit der Übereinstimmung mit seiner Vision machen. Du fängst an, nicht nur Ziele zu erreichen, und auch dein Handeln bekommt eine Ewigkeitsperspektive, denn du bist dabei, seine Vision statt deine eigene zu verwirklichen.

Still zu sein und uns Momente der Ruhe zu nehmen, hilft uns, unsere Prioritäten richtig zu setzen, das Dringende zu verschieben und das wirklich Wichtige zu erledigen. Still zu sein hilft uns, zu erkennen, wie es uns wirklich geht und schafft Raum für Heilung. Du gibst, was du kannst, und er multipliziert, was du gibst. Du agierst nicht mehr getrieben, sondern strategisch. Du hörst auf, wie eine Maschine zu funktionieren und fängst an, wieder zu leben. Deine Zeiten der Ruhe werden zu multiplikativem Segen für deinen Einflussbereich. Deshalb möchte ich dich heute ermutigen, dir bewusst Zeiten der Ruhe zu suchen. Lasst uns still sein und erkennen, dass er Gott ist (Psalm 46,10). Atme tief durch, denn du leitest nicht allein. Du hast den Herrscher aller Herrscher als deinen persönlichen Berater und mit seiner Vision kommt auch die Strategie.

Sich Zeiten der Ruhe zu nehmen, ist kein Zeichen von Schwachheit, sondern ein Zeichen von Weisheit. Denn die Welt braucht die Auswirkung deiner Gemeinschaft mit Gott.

Ana Laura Serrano

Ana Laura Serrano hat den M.A. in Unternehmenskommunikation und Digitales Marketing. Sie arbeitet als Creative Director im Gospel Forum und hat mehrjährige Erfahrung in der PR & Marketing Beratung.  Ihr Herz schlägt dafür, die Schönheit und Liebe Gottes zu offenbaren, um seine Gerechtigkeit auf dieser Welt freizusetzen. Sie liebt tiefe Gespräche, spontanes Lachen und sagt selten nein zu einer Tasse Kaffee.

Mut – ein Wort, das unterschiedliche Assoziationen in uns auslöst, oder? Für manche bedeutet dieses Wort, Klippen hochzuklettern und große Abenteuer zu erleben, bei denen der Adrenalinspiegel steigt. Für andere bedeutet es, in der S-Bahn ein Gespräch mit dem Sitznachbarn anzufangen.

Ein Ausdruck von Mut beschäftigt mich gerade besonders. Wir leben in einer Gesellschaft, die behauptet, sehr tolerant zu sein. Und doch besteht sie sehr stark aus Kategorien und Schubladen. Selbst die Schublade „Intolerant“ geht ziemlich oft auf und zu.

Warum kategorisieren wir Menschen so stark? Es geschieht oft sehr unbewusst und doch passiert es jeden Tag in unseren Gedanken. Keiner von uns möchte rassistisch sein oder Menschen ausgrenzen, aber trotzdem tun wir es immer wieder. Zumindest in Gedanken. Denn wir beurteilen Menschen oft pauschal, ohne sie zu kennen.

Wie kommt das zustande? Ich hatte mal ein Erlebnis, das sehr einprägsam war. Es war, als ich ca. 18 Jahre alt war. Du musst wissen, zu der Zeit war ich keine sehr selbstsichere Person, sondern voll von Minderwertigkeit und Selbstzweifel. Ich war bei einer jungen Familie zum ersten Mal zu Besuch. Als ich ankam, schnappte die kleine Tochter wohl meine Unsicherheit auf und war mir gegenüber total scheu. Ihre Mama bemerkte das und meinte: „Also die Kleine ist sehr sensibel. Sie spürt sofort, wem sie vertrauen kann und wem nicht.“

So, da stand ich nun mit dieser Aussage, die für mich ja nur eines bedeuten konnte: Ich war nicht vertrauenswürdig. In meinem Kopf und auch in meinem Herzen fing eine wilde Suche an, warum ich nicht vertrauenswürdig sei. Irgendwas musste dieses sensible Kind ja gesehen haben, das ich scheinbar versteckte? Am Ende hatte ich nur noch mehr Selbstzweifel.

Was war passiert? Durch die Worte, die vermutlich nicht einmal sehr durchdacht waren, war ich in einer Schublade gelandet. Es hat für mich lange gedauert, aus dieser Grube rauszuklettern und zu verstehen, dass diese unüberlegte Aussage nicht der Realität entsprach. Ich war zwar nicht sicher, aber vertrauenswürdig war ich.

Oft kategorisieren wir Menschen, ohne dass es eine bewusst negative Handlung ist. Ich verstehe schon, dass es Menschen gibt, für die wir fast automatisch Sympathie oder auch Empathie empfinden. Manche Menschen haben uns wehgetan und es gibt eine konkrete Handlung, die erfordert, dass wir von ihnen Abstand nehmen. Darum geht es hier nicht.

Wenn du aber in deinem Denken entdeckst, dass du Menschen, ohne sie zu kennen, in Kategorien und Schubladen steckst, will ich dich dazu ermutigen, diese Gedanken zu unterbrechen und dich dagegen zu entscheiden.

Jesus teilt uns nicht in Kategorien ein. Sein Geschenk der Gnade ist für jeden Menschen zugänglich gemacht. Da spielen Herkunft, Status, Geschlecht, Hautfarbe, Ausbildung und Qualifikation überhaupt keine Rolle. In Apostelgeschichte 10,34-35 sagt der Apostel Petrus, dass er erkannt hat, dass Gott nicht bestimmte Menschen anderen vorzieht. Er nimmt alle an, die zu ihm kommen und bereit sind, ihr Leben unter seine Leiterschaft zu stellen.

Es ist eine große Herausforderung, Menschen nicht in Kategorien und Schubladen zu stecken. Du und ich, wir sind alle daran schuldig geworden. Aber ich möchte uns gemeinsam ermutigen, den MUT zu haben, nicht zu kategorisieren, sondern Menschen kennenzulernen. Ihre Geschichte zu hören. Ihre Herausforderungen zu hören und zu helfen, wo wir können. In deiner Schule, an der Uni, im Geschäft oder in deinem Freundeskreis: habe den Mut, hinzuschauen und ein Licht zu sein…

Wenn wir diesen Mut haben, bringen wir eine neue Reformation in unsere Gesellschaft!

Kristin Reinhardt

Kristin ist Initiatorin und Leiterin von Wertvoll und mit ihrem Mann Tim, Teil des Core Teams im Gospel Forum. Sie möchte Teil davon sein, wenn eine große Schar von Mädels und Frauen aufsteht, um die frohe Botschaft auszurufen, gemäß Psalm 68:12. Eine ganze Armee von Frauen, die für etwas Größeres leben, als nur für sich selbst. Sie will sehen, dass Menschen im Wort Gottes gegründet sind und den Traum Gottes für ihr Leben entdecken.

Ich sitze frühmorgens in meinem Auto, komme nur schleppend im Berufsverkehr voran, aber in meinem Kopf sprudelt ein Vulkan wirrer Gedanken durch meine Gehirnwindungen: Was mache ich da nur?! Mein Herz rast, ich kämpfe mit Angst und am liebsten will ich einfach wieder heim in mein Bett. Aber dennoch fahre ich weiter – so fühlt sich Mut manchmal an.

Ich bin keine Frau, die gerne ihren Mut beweist, indem sie sich mit einem Seil an den Beinen von einer Brücke stürzt oder gerne alleine durch Alaska wandern wollte. Aber wenn etwas mein Herz packt, wenn mir etwas wirklich wichtig ist, dann steht in mir etwas auf, das mich über meine Komfortzone hinaus führt. Dann werden Kräfte in mir frei, über die ich mich manchmal rückblickend nur wundern kann.

Ich war beruflich „immer“ eine selbständige Musikpädagogin. Ich habe mir meine Arbeitszeiten selbst eingeteilt, war mein eigener Chef, konnte geschmeidig mit der Familienentwicklung mein Arbeitspensum anpassen und war glücklich, täglich mit Musik zu tun zu haben, Kindern diese nahezubringen und dabei genügend Zeit für meine eigenen Kinder zu haben. Denn ich bin gerne Mutter. Zu lehren ist meine Leidenschaft (und der Horror meiner Familie; die fühlen sich seltsamerweise öfter belehrt). Jedoch musste ich, nach über 20 Jahren „Für Elise“ hoch und runter, zugeben, dass sich in mir langsam der Wunsch nach Veränderung kundtat. Als mein Mann mich dann fragte, ob ich ihm in seiner Firma helfen würde, musste ich nicht lange überlegen. Ich sagte prompt: „NEIN!!“ Mein Mann ist in der Automobilindustrie tätig. Unsere Mitarbeiter sind Konstrukteure, die am Computer Kabelbäume und andere Teile konstruieren. Was sollte ich da tun? Und niemals wollte ich in einem Büro landen! Wenn ich mit Freundinnen darüber sprach, bekam ich von einigen den Rat: „Mach das bloß nicht, das ruiniert eure Ehe!“ und von anderen wieder: „Das wäre doch toll, wenn ihr zusammenarbeiten würdet!“ Es hat einige Wochen und sogar Monate gedauert, bis ich meine Entscheidung für die Firma traf. Ich musste in mich hineinhören, Ängste überwinden und mutig sein. Warum habe ich mich dafür entschieden? Weil mein Herz bewegt war und mein Mann und die Firma Hilfe brauchten. Ein neues Abenteuer sollte beginnen. Jetzt war ich zuständig fürs Personal, ca. 50 Leute, davon 90% Männer. Es gab viel zu lernen und viel zu tun und einiges musste verändert werden. Der Anfang war nicht leicht. „Die Frau vom Chef arbeitet jetzt mit“. Ich wurde von allen beäugt. Die einzigen drei Frauen im Büro waren ein paar Monate später nicht mehr da. Dafür sind tolle neue Frauen gekommen und geblieben.

Liebe Leserin, ich möchte Dich ermutigen, mutig zu sein und etwas zu wagen, wenn Du spürst: Dafür schlägt mein Herz, da steht etwas in mir auf, da habe ich Gaben und die will ich einbringen, um zu unterstützen oder zu verändern oder Neues hervorzubringen. Lasst uns doch gegenseitig Mut zusprechen, über das Schubladendenken hinauszugehen und das zu tun, was unser Herz bewegt oder was uns schlichtweg vor die Füße fällt. Ich z.B. habe vorher den Begriff „Mutter sein“ immer nur der Familie zugeordnet und ansatzweise auch dem Gemeindeumfeld, aber ich habe nie darüber nachgedacht, dass es Mütter in der Wirtschaft braucht. Aber ich kann euch versichern: Es braucht sie – und ich bin eine! (…und ich spreche nicht von backen, kochen, putzen…). Frauen, die ihre Tools beherrschen, aber die v.a. fest stehen, die eine gesunde Autorität haben, die sich trauen ihren Mund aufzumachen, die fördern, helfen und zuhören, die Verantwortung übernehmen und Veränderung begrüßen. Die letzten Jahre haben Kraft gekostet, auch mal eine Träne, aber sie haben auch Freude gebracht. Ich habe wundervolle Menschen kennengelernt, Dinge getan, von denen ich nicht dachte, dass ich sie tun kann, und ich bin dadurch enorm gewachsen.

Wir würden uns gegenseitig das Leben so viel leichter machen, wenn wir in unserem Gegenüber erkennen würden, was sie oder er trägt, d.h. was ihre Identität, ihre Berufung, ihre Leidenschaft ist. Egal, ob ich eine Musikband leite, Menschen über einen längeren Zeitraum unterrichte, mich um meine Familie kümmere, ein Geschäftsleutetreffen organisiere oder das Personal in der Firma leite – mein Ziel wird immer sein: Verbindung und Beziehung zu schaffen, eine Atmosphäre, in der sich jeder wohlfühlt und jeder sich entwickeln kann.

Dich machen bestimmt ganz andere Eigenschaften aus. Dein Herz wird wahrscheinlich von anderen Dingen bewegt werden wie meines. Du bist vielleicht schon allein durch Alaska gewandert – wie toll!! Lasst uns doch einander sagen, welche Stärken wir im anderen sehen und uns gegenseitig anfeuern, voranzugehen und nicht aufzugeben, wenn es hart wird. Wir alle brauchen Ermutigung; Menschen um uns herum, die unsere Träume nicht in den Müll treten, sondern uns Mut zusprechen, wenn wir entmutigt sind – uns der Mut verloren geht.

Mutige Entscheidungen zu treffen bedeutet nicht, dass alles glatt läuft, dass dann auf einmal alles leicht wird, dass kein Gegenwind bläst und auch nicht, dass wir immer erfolgreich sind. Ich habe die Wirtschaft auch in ihrer ganzen Härte und Schwäche kennengelernt. Aber wäre ich nicht mutig gewesen, wären manche positiven Veränderungen in der Firma nicht möglich gewesen. Ich bin glücklich, wenn ein Mitarbeiter mir sagt: „Ich arbeite so gerne bei euch in der Firma!“, „Tamara, es ist so gut, dass Du da bist!“, oder wenn unsere jungen Mitarbeiter sagen, dass sie sich keinen besseren ersten Job nach der Uni hätten vorstellen können als bei uns in der Firma zu sein.

Woher nehmen wir den Mut? Mut können wir von Gott geschenkt bekommen: „Du, Herr, hörst ihr Rufen und schenkst ihnen neuen Mut.“ (Psalm 10,17). Oder wenn wir uns daran erinnern, wie Er schon früher einmal etwas für uns getan hat: „Ich verliere nicht den Mut, denn ich erinnere mich daran, wie du schon früher für Recht gesorgt hast.“ (Psalm 119,52). Mut bekommen wir auch, wenn wir uns gegenseitig ermutigen: „Ja, sie haben mir neuen Mut gegeben, so wie sie auch euch ermutigt haben. Nehmt euch diese Männer zum Vorbild!“ (1.Kor. 16,18). Und gute Vorbilder, Menschen, die beständig und mutig ihren Weg gehen, können uns durch ihren Lebensstil ermutigen.

Lasst uns selbst solche Frauen sein! Wage etwas! Ich feuere Dich vor allem an, das, was Du tust, auf Deine Weise als Frau zu machen, authentisch zu sein! Wir brauchen Frauen, die als Frauen leiten und nicht Männer nachahmen. Frauen, die sich trauen, ihre wahre innere Stärke zu zeigen, die Gott in sie hineingelegt hat – egal ob es gerade hip ist oder nicht!

Tamara Dlugokinski

Tamara ist seit 28 Jahren verheiratet und Mutter von zwei Töchtern.  Sie studierte Musikpädagogik, gab als Songwriterin zwei CDs heraus und erweiterte vor ein paar Jahren ihr Aufgabenfeld mit einem Fernstudium zur „Fachreferentin für Familie und Erziehung“ bei Team-F. Seit über 20 Jahren hat sie Leitungsaufgaben in den verschiedensten Bereichen inne und 2016 übernahm sie die Leitung den HR Bereichs in der Firma ihres Mannes. Sie referiert bei ganz unterschiedlichen Seminaren, Treffen, Schulen und Kursen und ihre Leidenschaft ist es, Menschen zu ermutigen und zu stärken.

 

Ganz am Anfang der Zeit hat Gott Söhne und Töchter geschaffen, damit sie gemeinsam dafür sorgen, dass dieser Ort, den er Erde nannte, gut funktioniert (siehe 1.Mose 1:26-28). Sein Plan war, dass sie gemeinsam Verantwortung übernehmen und „die Erde in Besitz nehmen“. Dieser großartige Auftrag vom Vater für uns alle, in unserem eigenen Leben und in unserem Umfeld Verantwortung und Leiterschaft zu übernehmen, hat sich nie geändert. Durch Sünde kam allerdings eine Veränderung der Verhältnisse zustande (1. Mose 3). Diese Veränderung hat bewirkt, dass unser Verständnis von Gottes Auftrag an die Menschheit anfing sich anders zu entwickeln. Mann und Frau haben nicht mehr Seite an Seite gedient, sondern man fing an übereinander zu herrschen. Beziehungen wurden zerstört und Neid und Eifersucht kamen rein. Das Paradies, das Gott für seine Söhne und Töchter gewollt hatte, haben sie selbst zerstört.

Doch es gibt eine großartige Nachricht: Jesus hat durch seinen Tod und seine Auferstehung alle Dinge wiederhergestellt! Das bedeutet, dass wir nicht mehr unter dem Fluch der Sünde leben müssen. Auch Gottes Plan, dass seine Söhne und Töchter Seite an Seite auf dieser Erde Verantwortung übernehmen und sich darin ergänzen, wurde wieder möglich gemacht. Ich persönlich empfinde, dass eine neue Zeit angebrochen ist für die Töchter des Hauses. Gott bereitet seine Braut zu, die er abholen will. Paradoxerweise besteht diese Braut aus Frauen UND Männern – aus denjenigen, die sich entschieden haben, ihr Leben ganz und ohne Vorbehalt in die Hände Jesu zu legen.

Es ist Zeit, dass auch wir Töchter, Mädchen, Frauen, Mütter den Platz einnehmen, den Gott uns zugedacht hat – nämlich neben den Söhnen, Jungs, Männern und Vätern. In der spannendsten Zeit der Geschichte – gerade jetzt – ist es entscheidend, dass jeder an seinem Platz ist, denn es gibt eine große Ernte. Eine Welt, die nach Erlösung schreit, braucht mutige, tapfere, unerschrockene Menschen, die dem Ruf des Königs folgen. In Psalm 68:11 lesen wir: „Der Herr erlässt das Wort; der Siegesbotinnen ist eine große Schar“. Ich glaube, es Zeit ist, dass sich diese Schar versammelt! Es ist nicht von einer Menschenmenge die Rede, sondern eine „Schar“, die ein einziges Ziel hat, nämlich dem Wort des Königs zu folgen und die gute Botschaft zu verbreiten. Es ist eine Schar, die schön ist, aber gleichzeitig bereit zum Kampf. Eine Braut, die sehnsüchtig auf ihren Bräutigam wartet, sich aber nicht fürchtet, wenn Widerstand kommt.

Ladies, lasst uns dem Ruf unseres Königs folgen und eine Armee für Gerechtigkeit und Recht zusammentrommeln. Lasst uns wegschauen von allem, was uns hindern und zurückhalten will. Lasst uns alle Scham, Trauer, Minderwertigkeit und allen Stolz ablegen. Wir wollen uns zurüsten lassen, damit wir zu einer Schar von Siegesbotinnen werden! Unser König, der Bräutigam, kommt bald!

Kristin

Ich will dir heute eine tolle Sache nahebringen: Am 1.9. startet ein Online-Kongress, an dem ich, mit einigen anderen, als Sprecherin teilnehmen darf. Es gibt jeden Tag ein
Interview, das du dir im Netz anschauen kannst. Danach kannst du der Sprecherin über eine Seite Fragen stellen zum Thema. Bestimmt ist das eine oder andere Thema
für dich hilfreich. Wie du dich dafür anmelden kannst und was alles enthalten ist, erfährst du über du hier.
Für mich ist es sehr spannend, dass einige Türen aufgehen, um ganz andere Kreise zu erreichen, als wir es sonst tun. Der Sender ERF+ (Radio) hat sich bei uns gemeldet,
weil sie unsere Plenumsveranstaltungen der WERTVOLL Konferenz ausstrahlen möchten. Im November werden die Sessions im Sendeplan aufgenommen. Ich finde es
ziemlich aufregend, welche Türen Gott öffnet! Bitte bete mit für diese beiden Aktionen, dass der Heilige Geist die Herzen ganz neu berührt und Veränderung bringt, so wie nur
Er es kann.

 

Das Thema, das ich anspreche, beschäftigt mich schon seit längerem – heute auf eine andere Art und Weise als noch vor einem Jahr.

 

Ich bin eine gelernte Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin und habe für 3 Jahre in der Kinderklinik in Stuttgart auf der Onkologie und Hämatologie gearbeitet. In dieser Zeit habe ich viel erlebt, darunter leider auch viel Schmerz, Leid und Tod.

Ich kann mich noch genau an die Momente erinnern, in denen wir Kinder verloren haben. Das Schwerste für mich daran war, die Trauer und den Schmerz der Eltern und Familien zu sehen. Dies löste in mir viele Fragen an Gott aus.

Ich habe immer wieder für meine Patienten für Heilung gebetet, habe aber in dieser Zeit nie ein übernatürliches Wunder gesehen. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mein Glaube für Heilung damals nicht sehr groß war. Daran festzuhalten und zu glauben, dass Gott heilt, war in diesen Situationen nicht einfach. Was heißt es in diesen Momenten, die Zuversicht nicht zu verlieren?

In diesem Thema will ich uns heute ermutigen, unsere ganze Hoffnung und Zuversicht auf Jesus zu setzen.

 

In den letzten Monaten habe ich mehr und mehr verstanden, dass es so wichtig ist, daran festzuhalten, kennenzulernen und zu glauben, wer Jesus wirklich ist.

Momentan bin ich Praktikantin bei Awakening Europe mit Ben Fitzgerald. Ich leite und organisiere unter anderem jeden Freitag den Outreach. In den letzten Monaten habe ich vielen Menschen auf den Straßen von Jesus erzählt, für sie gebetet und tolle Erlebnisse gehabt. Ich durfte sehen, wie Jesus Leute von Schmerzen befreite und sie ihm ihr Leben übergeben haben.

Ich hatte aber auch Situationen, in denen Menschen nicht geheilt wurden, wo ich nach Straßeneinsätzen entmutigt war und manchmal die Frage hochkam, warum nicht mehr passiert ist oder weshalb die Person nicht geheilt wurde. Enttäuschung und Entmutigung versuchten sich einzuschleichen.

Ich liebe es, Zeugnisse darüber zu hören, wie Menschen übernatürlich geheilt werden, wie sie auf den Straßen eine Begegnung mit Jesus haben und ihm ihr Leben übergeben.

Vor Kurzem ist mir jedoch bewusst geworden, dass es genauso ein Zeugnis ist, in Enttäuschungen und Entmutigungen nicht aufzugeben, sondern an der Wahrheit festzuhalten und nicht aufzuhören, für Menschen zu beten.

 

Ich war persönlich die letzten 3 Wochen beim Outreach etwas entmutigt und enttäuscht, weil nicht viel Sichtbares passiert ist.

Eine leise Stimme sagte: “Es bringt doch alles nichts, lass es lieber sein für Menschen zu beten.”

Letzte Woche habe ich mich aber dazu entschieden, zu überprüfen, was meine Hoffnung und Zuversicht definiert. Sind es meine letzten ‘Erfolge’, sind es die Enttäuschungen oder hole ich meine Hoffnung direkt von Jesus?

 

Die Wahrheit ist, dass Jesus heilen und Menschen erretten will. Oft will er das sogar viel mehr als wir es uns wünschen.

In der Bibel sehen wir, dass Jesus alle heilte, die zu ihm kamen. Ein Beispiel dafür ist in Lukas 4,40. Gott will auch, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1. Timotheus 2,4).

Glaube ich wirklich, dass Jesus derjenige ist, der er ist und vertraue ich ihm? Selbst wenn meine Situation dagegen spricht, gebe ich dennoch nicht auf, daran festzuhalten, dass Jesus der Heiler und Retter ist?

 

Ich will dir zusprechen, dass dein Dranbleiben und dein Weitergehen ein so großes Zeugnis ist. Wir alle kommen manchmal an den Punkt, wo wir keine Hoffnung mehr haben. An dieser Stelle will ich dich ermutigen, zu hinterfragen, wer deine Hoffnung definiert.

 

Ich weiß, dass Heilung ein heikles Thema sein kann und ich verstehe viele Dinge nicht. Ich weiß jedoch folgendes: Ich will und werde nicht aufhören für Kranke zu beten, Menschen von Jesus zu erzählen und daran zu glauben, dass Er unser Heiler und Retter ist. Bleib dran und setze deine Zuversicht auf ihn!

Als 2014 unsere Tochter Madeleine geboren wurde, schwebten wir zunächst wie alle anderen Eltern auch vor Freude und Glück im siebten Himmel! Endlich war sie da! Wir hatten sie so sehnlichst herbeigewünscht und erwartet!

Doch schon nach wenigen Minuten wurde unser unbeschwertes Elternglück zerstört.

Madeleine hatte nämlich eine unerwartete Überraschung mitgebracht. Als unerfahrene Eltern sahen wir es nicht sofort, obwohl meinem Mann Madeleines ungewöhnliche Körperhaltung auffiel. Also klärten uns die Ärzte wenige Minuten nach der Geburt darüber auf, dass Madeleine Trisomie 21 hat und ein rasselndes Geräusch in ihrem kleinen Herzen zu hören ist. Da sie vermuteten, dass Madeleine einen Herzfehler hat, musste sie kurz darauf zu weiteren Untersuchungen mitgenommen werden. Völlig erschöpft von der Geburt und fassungslos über die Diagnosen der Ärzte, blieben wir alleine, ohne unsere Madeleine zurück. Schock und große Angst um Madeleines Leben überrollten uns.

Gleichzeitig kamen Zweifel und Fragen auf. „Warum lässt Gott das zu?“ „Warum unsere Madeleine?“ „Wo ist Gott in dem Ganzen?“.

Einen Tag später musste Madeleine dann tatsächlich in die Kinderklinik auf die Herzstation verlegt werden, um von weiteren Spezialisten durchgecheckt zu werden. Als wir auch in der Kinderklinik ankamen, war die Prognose, dass wir vielleicht drei Wochen, aber vielleicht auch nur eine Woche im Krankenhaus verbringen müssten, bis geklärt werden könnte, was bei Madeleine nicht stimmt.

Ich erinnere mich wie ich nachts auf dem Klappbett in Madeleines Krankenzimmer lag, mit dem Blick auf die Monitore, an denen ihr kleiner Körper angeschlossen war. Ständig beobachtete und kontrollierte mein völlig übermüdeter Blick ihre Sauerstoffsättigungswerte und Herzfrequenz als ob ich sie dadurch am Leben erhalten könnte. Irgendwann war ich einfach so erschöpft von den schlaflosen Nächten im Krankenhaus, den vielen unterschiedlichen Emotionen und Sorgen, dass ich vor Gott weinend mein Herz ausschüttete.

Gott kam mit seinem Trost, Frieden, seiner Liebe und Hoffnung in dieses Krankenzimmer.

Nach dieser tiefen Begegnung mit Seiner Gegenwart konnte ich mich ganz neu entscheiden Gott zu vertrauen, Ihm die Kontrolle über die Situation zu überlassen und Seinen Zusagen über unserem Leben zu glauben. Die nächsten Tage im Krankenhaus wurden trotz einiger Aufs und Abs leichter, denn ich hatte mich entschieden mit Zuversicht einen Tag nach dem anderen zu nehmen.

Letztendlich wurden wir sogar schon nach einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen. Das kleine Loch in Madeleines Herzen war verwachsen und die Verengung im Aortabogen nicht mehr bedenklich. Gott hat dieses Wunder getan! Wir sind Ihm unendlich dankbar, dass Er uns durch diese anfänglichen Schwierigkeiten getragen hat und in den dunkelsten Stunden neue Zuversicht geschenkt hat.

Madeleine ist heute ein kerngesundes, dreijähriges Mädchen und unser absoluter Sonnenschein! Es ist eine Ehre für mich, dass Gott sie mir anvertraut hat und ich ihre Mama sein darf.

Wir lieben das Gefühl der Zuversicht, oder?! Die Begeisterung und Vorfreude, die wir empfinden, wenn wir etwas Neues beginnen. Die Sicherheit, nichts falsch machen zu können und die ganze Welt auf seiner Seite zu haben.

Aber wie fühlt es sich an, wenn man gerade aus einer riesigen Niederlage heraus marschiert? Wieviel Enthusiasmus empfindet man, wenn man gerade noch mit gesenktem Kopf, verweinten Augen und geballten Fäusten zugeben musste, dass man wirklich dick versagt hat?

Ganz ehrlich – diese Gefühle sind niederschmetternd und haben wenig mit Zuversicht zu tun.

Ich erinnere mich an diesen Moment noch sehr genau. Mein Gesicht ganz nah am Boden, meine Wut bereits umgewandelt in rasende Kopfschmerzen. Mein Selbstvertrauen angeknackst und mein Kampfgeist verflogen.

Ich war 24 und hatte mein Examen, für das ich 6 Jahre lang studiert hatte, gerade komplett in den Sand gesetzt. Da war nichts zu machen. Ich konnte niemandem die Schuld geben – außer mir selbst. Ich war mutlos, ratlos, zerknirscht und überhaupt nicht in der Stimmung, an die Zukunft zu denken. Es war peinlich und für viele Freunde sogar richtig erschütternd. Es war ein Schockzustand.

Bis ich mich entschied, die Perspektive zu wechseln.

Das war kein krasser Moment oder eine super-klare Offenbarung. Es war ein Mini-Fünkchen Hoffnung, dem ich die Erlaubnis gab, meinen Blick zu heben.

Ich betete, ich rief zu meinem Gott. Ich klagte, ich stampfte, nörgelte und bettelte. Und er war da – in dieser ganzen Zeit. Aus meinem stotternden Motor machte er eine ganz frisch geölte Maschine. Er gab mir neue Zuversicht. Nichts Aufgewärmtes oder Zusammengeflicktes. Ich fühlte eine Stärke und Angriffslustigkeit, die ich davor so nicht kannte. Ich wurde kreativ und auf eine neue Art und Weise mutig.

Mein verletzter Stolz ließ mich etwas Neues wagen, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich es tun würde. Ich bewarb mich für die Ausbildung zur professionellen Tänzerin – ein Kindheitstraum und bis hierher nur Hirngespinst. Ich fühlte nicht viel Zuversicht, dass ich erfolgreich sein und angenommen werden würde. Aber ich gab dem Ganzen eine Chance. Wacklige Knie und ein auffällig nervöses Lächeln beim Check-In inklusive. Danach war ich froh. Einfach zufrieden mit mir, es versucht zu haben. Ich rechnete nicht mit dem Anruf eine Woche später, dass ich im nächsten Schuljahr starten könnte. Und dann ging alles ganz schnell. Ich startete einen neuen, spannenden Lebensabschnitt und nicht nur das; ich wurde unerschrockener und waghalsiger.

Aus einer Niederlage ging ich mit neuer Perspektive heraus – mit einer ganz neuen Zuver.SICHT. Gehen ist hier wahrscheinlich das falsche Wort. Ich tanzte aus ihr heraus!

Eine Situation in der ich mich entscheiden musste, an der Zuversicht festzuhalten – ich glaube, da stecke ich mitten drin.

Zuversicht – Was ist das eigentlich? Für mich ist „Zuversicht“ eine Steigerung von „Hoffnung“. Nicht nur eine positive Erwartung für die Zukunft, sondern vielmehr die feste Gewissheit, dass am Ende einer Durststrecke alles gut ist.

 

Leider musste und muss ich immer wieder feststellen, dass dieses Gefühl der freudigen Gewissheit sich nicht von allein einstellt. Oft ist es eine Entscheidung – inmitten von für mich unverständlichen oder bitteren Umständen.

 

Manchmal kommt scheinbar alles zusammen. Das können bei dir ganz andere Herausforderungen sein als bei mir; Schulnoten, Ausgrenzung, Krankheit, Geldsorgen, Abhängigkeiten. Ich stecke in einer Phase, in der ich voller Respekt, ja manchmal sogar ein wenig Angst, auf meine bevorstehende neue berufliche Situation blicke. Zudem habe ich mich beim Sport am Fuß verletzt und kann die kommende Wettkampfsaison nicht bestreiten, für die ich monatelang, zwar mit Spaß aber auch hart trainiert und auf die ich hin gefiebert habe.

Wo bleibt da noch Platz für Zuversicht?

Woher nehme ich die Gewissheit, dass alles gut werden wird? Habe ich überhaupt einen Anspruch darauf, dass alles glatt läuft? Und was ist überhaupt „gut“? Fragen, auf die ich, zumindest teilweise, keine Antwort weiß…

Und auch wenn ich manchmal verzweifelt oder traurig bin – auch wenn ich überhaupt keine Lust habe, versuche ich inmitten dieser Umstände meinen Blick auf Gott zu wenden. ER ist meine Zuversicht. Er vermag alles. Er weiß alles und vor allem: Er meint es gut mit mir.

Was soll ich da noch fürchten?